SGV: Der So-geht's-Verlag

Montag, 17. Juni 2019

SGV: Der So-geht's-Verlag

Thema Urheberrecht

Wem gehört der Text?

"Einer meiner Kunden, für den ich Texte schreibe, verändert oder kürzt diese nach eigenem Gutdünken. Wem gehört der Text? Und greift das Urheberrecht hier auch?" Eine schwierige Frage. Wir haben uns mal schlau gemacht und jemanden gefragt, der sich damit auskennt: Rechtsanwalt Klaus Parchent, Spezialist für Arbeitsrecht, Urheberrecht und Datenschutz.

 

 

"Wenn ein Autor einen Text im Auftrag erstellt und der Auftraggeber anschließend an dem Text etwas verändert, muss zwischen dem Schutzumfang des Urhebers und der Herstellungsfreiheit für Bearbeitungen durch eine andere Person differenziert werden. All dies ist geregelt in § 23 UrhG.

 

Grundsatz: Verwertung von Texten nur mit vorheriger Zustimmung des Urhebers

 

Dieser § 23 UrhG besagt, dass der Urheber grundsätzlich zwar nicht davor geschützt wird, dass sein Werk bearbeitet wird. Es steht also jedem anderen frei, das Werk eines Autors zu verändern (Herstellungsfreiheit). Aber diese Bearbeitung darf grundsätzlich nicht ohne seine Einwilligung (also vorherige Zustimmung) veröffentlicht oder verwertet werden. Lediglich für die Nutzung zu privaten Zwecken ist die Einwilligung nicht erforderlich.

 

Dies gilt im Übrigen sowohl für Bearbeitungen als auch andere Umgestaltungen. Bearbeitungen sind dabei nach § 23 UrhG Änderungen, die so wesentlich sind, dass sie ein eigenes Werk darstellen. Dazu bedarf es einer bestimmten Schöpfungshöhe, d.h. der Bearbeiter muss so kreativ sein, dass er durch die Bearbeitung ein eigenständiges neues Werk schafft und selbst zum Urheber wird. Andere Umgestaltungen sind dahingehend Änderungen, die in ihrer Gänze kein neues eigenständiges Werk kreieren.

 

In beiden Fällen jedoch sieht das Gesetz einen Vorbehalt zugunsten des Urhebers vor, so dass eine Veröffentlichung und Verwertung ohne die vorherige Zustimmung durch den ursprünglichen Autor ausgeschlossen ist (Schutz des Urhebers).

 

Ausnahme: Rechteeinräumung an Auftraggeber

 

Daher kommt es also auf die Vereinbarung zwischen dem Autor und dem Auftraggeber an. Sollte sich der Auftraggeber bestimmte Nutzungs- und Verwertungsrechte im Rahmen der Vereinbarung gesichert haben, so darf er den Text entsprechend dieser Vereinbarung verwenden.

 

Wenn diesbezüglich aber, wie so oft, keine Vereinbarungen getroffen wurden, kann der Urheber den Auftraggeber gemäß § 97 UrhG auf Unterlassung und Schadensersatz in Anspruch nehmen."

 


Für alle, die mehr wissen wollen ...

... zum Thema Marken- und Urheberrecht - hier sind zwei spannende und nützliche Links: