Drei einfache Fragen sind das Geheimnis einer stimmigen Konzeption im Werbebrief. In Ihrem Workbook haben Sie sich bereits damit beschäftigt. Ich habe Ihnen heute ein kleines Video zu diesem Thema angehängt, das Wichtiges wiederholt und Ihnen zusätzliche Beispiele liefert. Schauen Sie doch gleich hinein. Viel Spaß!

Übrigens einer der wichtigsten Fehler beim Schreiben von Werbebriefen: Die Fragen werden nicht in der richtigen Reihenfolge beantwortet – oder man hält eine Frage zu lange. Zum Beispiel gibt es mehrere Möglichkeiten, die Frage "Warum soll ich das lesen?" zu beantworten. Einmal beschreiben Sie hier eine Idealsituation, manchmal beschreibt man hier aber auch ein Problem, das Ihr Leser lösen muss. Wenn man nun die Problembeschreibung zu lange ausdehnt, hören Werbeleser auf zu lesen, bevor Sie überhaupt bei Ihrer Lösung ankommen. Da hilft nun die Faustregel: Die Beantwortung einer der Konzeptionsfragen dauert maximal einen Absatz.
Morgen geht's übrigens um das Thema "Anreden und Anschriften".
Mit besten Grüßen
Ihre Workbook-Redaktion
Das Gerüst überprüft, redigiert, die formalen Anforderungen gecheckt ... War das schon alles? Noch lange nicht. Ein Kapitel fehlt noch. Ein Kapitel, in dem Sie sich von bürokratischen Formulierungen verabschieden und dafür sorgen, dass Ihr Brief eine "Seele" bekommt.

Adios Sankt Bürokratius
Lesen Sie doch noch einmal in unseren Beispielbrief hinein: Zu trocken, zu abgehackt, zu altbacken? Genau richtig. Es wirkt, als ob hier Sankt Bürokratius schreibt. Keine Spur von Freude über den potenziellen Kunden. Kein Signal, dass man sich bemüht, ihn zufriedenzustellen. Kein Vorteil und kein Lächeln. Leider allzu oft Realität in der Korrespondenz.
Texte verraten natürlich immer auch etwas über den Schreiber. Die Betonung der "üblichen Geschäftszeiten", die langen Lieferzeiten und "in Erwartung einer positiven Rückantwort" – einen solchen Stil kann sich nur leisten, wer ein Monopol hat und auf positiv gestimmte Kunden keinen großen Wert legt.
Doch wenn wir wollen, dass unsere Briefe eine "Seele" bekommen und freundlich wirken, brauchen wir weitere Ansätze bzw. müssen noch andere Merkmale untersuchen.
Damit Ihr Brief eine "Seele" bekommt …
Bei Werbebriefen und Kundenbriefen gilt: Ein Brief muss wirken wie ein Brief. Deshalb ist er im Idealfall formal richtig gestaltet, hat eine klare Absatzstruktur, Hervorhebungen, nennt den Empfänger schon in der Anrede beim Namen und spricht klar und deutlich in kurzen Sätzen.
So weit, so gut. Aber würden Sie sich auch bei einem Liebesbrief mit Formalitäten zufriedengeben? Oder bei einem Brief an einen guten Freund? Wohl kaum. Denn auch Briefe haben eine Seele. Ein "Look and Feel". Es entscheidet über die Reaktion des Lesers und darüber, ob mit Sympathie oder Antipathie gelesen wird. Die Tonalität macht den Unterschied. Denn sie bestimmt, wie Sie Ihren Brief "sprechen" lassen: freundlich, offen, kreativ, emotional. Wie Sie schreiben, ist entscheidend.
Überlegen Sie also ganz genau, an wen Sie schreiben und wie. Schaffen Sie ein vertrautes und behagliches Gefühl bei Ihrem Kunden. Und keine Sorge: Das ist überhaupt nicht schwierig. Einige wenige Textänderungen ergeben oft ein völlig anderes Gesamtbild.
Ein Beispiel: Wie sagen Sie es Ihrem Kunden in einem persönlichen Gespräch, wenn sich zum Beispiel eine Lieferung verzögert?
Aufgrund von Lieferschwierigkeiten, Engpässen und der hohen Nachfrage infolge des plötzlichen Wintereinbruchs können wir die gewünschte Schneeschaufel nicht termingerecht liefern.
Oder so:
In vier Tagen ist Ihre Schneeschaufel da. Obwohl die Nachfrage gerade groß ist, bekommen Sie, was Sie sich gewünscht haben.
Bewahren Sie Haltung!
Am deutlichsten verrät sich Sankt Bürokratius allerdings am Textende. Wenn wir uns mit einer positiven Floskel verabschieden wollen – und plötzlich gerät uns der ganze Ausstieg zu schwerfällig.
Da wäre zuerst einmal das typische "Bei Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung". Zur Verfügung stehen. Lassen wir es einmal ganz langsam vorbeiziehen. Ist dort Aktivität zu spüren? Nein. Wirkt es besonders dynamisch? Nein. Sagt es dem Leser, was er tun soll? Nein. Es ist passiv, unmodern und egozentrisch. Es ist nicht falsch. Moderner wäre aber, direkt auf den Kunden zuzugehen: "Wir freuen uns auf das erste Gespräch. Einfach anrufen!" Selbst ein "Bei Fragen rufen Sie einfach an. Wir sind gerne für Sie da" bietet deutlich mehr Freundlichkeit als "zur Verfügung stehen".